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Thomas Senft

Mein Name ist Thomas Senft und ich bin im Harz, ganz in der Nähe von Thale Zuhause.
1962 wurde ich in Kropstädt Landkreis Wittenberg/Lutherstadt geboren und 1965 nach Aschersleben adoptiert.
1969 kam dann das eigene Kind der Adoptiveltern und fortan zeigte meine Adoptivmutter, wie man das fünfte Rad am Wagen ersetzt.
Näher möchte ich gar nicht wirklich drauf eingehen, nur soviel, es war sehr oft so fürchterlich und zum Teil unerträglich, dass ich dann die Flucht vom vermeintlichen Zuhause ergriff. Letztendlich eskalierte das ganze so, dass ich es vorzog, gänzlich im Heim zu bleiben und nicht immer nur kurzfristig. Und somit ging ich 1978 in das „Hanno-Günther–Heim“ in Aschersleben.
Das war zum Teil auch nicht gerade das, was man unter Geborgenheit und Wohlbefinden versteht.
Es artete dort dann doch des Öfteren richtig in seelischen, nervlichen und körperlichen Stress aus.
Um eine Leistung zu bekommen, welcher Art auch immer, musste diese vorher recht hart erarbeitet werden.
Erzogen wurden wir pädagogisch sicher von den Erziehern, körperlich gezüchtigt wurden wir von den Größeren, natürlich auf Geheiß der vermeintlichen Pädagogen.
Und dennoch, war ich dort besser aufgehoben, als im Hause meiner Adoptiveltern.
Auch wenn ich ihnen so manches zu verdanken habe und ich ihnen sicher auch in gewisser Weise dankbar bin, stellte ich mir unter einem liebevollen Elternhaus dann doch etwas ganz anderes vor und niemals eine nur auf einen einprügelnde Mutter.
1979 ging ich dann in die Lehre und somit nicht nur aus Aschersleben, dem Kinder- und Jugendheim fort, nein auch vom Hause meiner Adoptiveltern, welche ich seit diesem Zeitpunkt nie wieder besucht habe.
Ja und so zog sich der Faden des Heimlebens dann doch bis Mitte 1988 durch mein Leben. Erst Lehrlingswohnheim und dann das sogenannte Arbeiterwohnheim.
Und dennoch war es ein Stück Freiheit im Leben, welches man genießen konnte, auch wenn man nun auf sich selbst gestellt war.
Es war ein ganz neuer Abschnitt im Leben, der einen schnell sehr vieles für die unvermeintliche Zukunft lehrte und zum Teil heute noch lehrt.
Die Gründung einer eigenen Familie und die Geburt zweier Kinder, waren ein Lebensabschnitt, der nun alles, was wir zuvor an Lebenserfahrungen sammeln
durften und konnten, abrief und uns Eltern so einiges abverlangte. Auch dabei lernt man, dass das Leben eben kein Ponyhof ist und man ganz schnell auch als
allein erziehender Vater klarkommen muss. Und siehe da, auch das hat geklappt und das Leben geht in jeglicher Hinsicht weiter und schenkt uns Tag
um Tag neue Erfahrungen, die wir sammeln dürfen und können.
Das war ein kleiner Auszug aus meinem Leben.

 

Nun wünsche ich uns Allen, dass wir noch sehr, sehr
lange unser Leben leben, gesund bleiben und all
unsere Erfahrungen weitergeben und die Erfahrungen
anderer Menschen annehmen dürfen und können.
In diesem Sinne, ganz herzliche Grüße
Thomas

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